Dieser Beitrag von
Alexander Wunsch zum Thema Kunstlicht und Gesundheit
ist im Professional Lighting Design-Magazin Ausgabe
53 erschienen und hier als PDF abrufbar:
Download "Kunstlicht und
Gesundheit" aus PLD 53
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auch in englischer Sprache verfügbar.
Im Gleichklang mit äußeren Lichtbedingungen passt
sich unser Organismus auch hormonell an die damit
verbundenen Aufgaben an. Die obige Kurve zeigt die
verschiedenen Konzentrationen für Stresshormone
(ACTH und Cortisol, hellorange) und Melatonin
(Schlafhormon, blau) in Abhängigkeit von der
Tageszeit.
Unter tageslichtartigen
Beleuchtungsbedingungen (Sonnenlicht, aber auch
Licht aus Leuchtstofflampen) wird die Bildung von
Melatonin gehemmt und es werden vermehrt
Hypophysenhormone ausgeschüttet.
Die blaue Struktur in dieser Abbildung stellt die Zirbeldrüse dar. In dieser Drüse wird bei Bedarf aus Serotonin das Schlafhormon Melatonin hergestellt. Neuere Untersuchungen konnten zeigen, dass es zwischen melanopsinhaltigen Ganglienzellen der Netzhaut des Auges und der Zirbeldrüse direkte Nervenverbindungen gibt, die für die hormonelle Homöostase und die chronobiologische Steuerung von großer Bedeutung sind. Die rote Struktur stellt die Hypophyse dar, die ebenfalls in diese Regelkreise eingebunden ist.
Die rote Struktur in der Darstellung ist die Hirnanhangsdrüse oder Hypophyse, die über spezielle Nervenbahnen mit Rezeptoren in der Netzhaut des Auges verknüpft ist. Die Hypophyse steuert die meisten Körperhormone, wie z.B. Stresshormone, Sexualhormone, Hormone zur Regulation des Wasserhaushaltes usw. Die blaue Struktur ist die Zirbeldrüse, die über thalamische und hypothalamische Zentren in ihrer Aktivität mit der Hypophyse koordiniert wird. Beide Drüsen sind im Zusammenspiel für die chronobiologischen Anpassungsleistungen des Körpers verantwortlich.
Hier noch ein Kuriosum, das nachdenklich stimmen sollte:
Die Internationale Beleuchtungskommission (CIE) hat im Jahre 1931 (in einer Zeit also, in der die Medizin schon eindeutig bewiesen hatte, dass die biologischen Wirkungen von Licht nicht nur mit den sichtbaren Anteilen zu erklären sind) den Normbetrachter definiert. Dieser Normbetrachter, der uns alle repräsentieren soll, indem er beschreibt, für welche Frequenzbereiche (Farben) unser Auge empfindlich ist, wurde der Einfachheit halber zu zwei Drittel auf Quecksilber geeicht. Die drei Bereiche, in denen zur Ermittlung der korrelierten Farbtemperatur gemessen wird, liegen bei 436 nm (eine intensive Quecksilber-Spektrallinie im Indigo), 546 nm (eine weitere Quecksilber-Spektrallinie im Grün) und bei 700 nm (im Rot), merkwürdiger Weise einer Frequenz, die in den meisten modernen Leuchtmitteln (außer der Glühlampe) nicht mehr vorkommt.
Der Begriff der
Vollspektrum-Beleuchtung lässt sich im wesentlichen
auf die Arbeiten von John Ott zurückführen. Die
Bezeichnung "Vollspektrum" ist umstritten: Das
Emissionsspektum füllt den sichtbaren Bereich des
Lichtes keineswegs vollständig aus. Geht man davon
aus, dass das menschliche Auge für den Bereich von
400 bis 700 nm empfindlich ist, fehlen bei
"Vollspektrum-Lampen" auf Quecksilberbasis ca. 25 %
der sichtbaren Anteile aus diesem ca. 300 nm
breiten VIS-Band, nämlich alle Frequenzen
langwelliger als 630 nm. Dies ist in der Abbildung
unten gut zu erkennen. Ein Leuchtmittel mit dem
Label "Vollspektrum" zu versehen, dessen Spektrum
nur den Bereich von 400 nm bis 630 nm abdeckt,
obwohl das Auge mindestens für 400 nm bis 700 nm
empfindlich ist, ist eigentlich ein schlechter
Witz, der an Irreführung der Verbraucher grenzt.
Seit der Entdeckung des
circadianen Rezeptorsystems durch Brainard im Jahr
2001 müssen jedoch eine Reihe der früheren
Erklärungen für die Wirkungen von so genanntem
"Vollspektrumlicht" in Frage gestellt werden. Eine
Zeitlang wurde nämlich von den Herstellern so
argumentiert, dass die biologischen Wirkungen bei
diesen Leuchtmitteln auf den zusätzlichen Gehalt an
UV-A zurückzuführen seien. Diese Erweiterung des
Spektrums um nicht sichtbare, langwellige
Ultraviolett-Anteile war für manche dann das
Argument für die Verwendung der Bezeichnung
"Vollspektrum", wobei sich diese Lichtquellen auch
dadurch erkennbar machten, dass sie einen höheren
Blauanteil in ihrem Licht tragen. Heute wissen wir,
dass die endokrinen Effekte solchen Lichtes, die
mit der Erhöhung der Hypophysenhormone und der
Absenkung des Zirbeldrüsenhormons Melatonin zu
beschreiben sind, auf den höheren Blauanteil
zurückzuführen sind und nichts mit dem UV-A zu tun
haben.
Zu dem Aspekt der Verwendung von Quecksilber in den
genannten Leuchtmitteln sagt Ott in seinem Buch
"Risikofaktor Kunstlicht": "Aber es gab immer noch
das Problem der Quecksilberdampfausschläge. Alle
Leuchtstoffröhren produzieren diese sehr schmalen,
aber höchstintensiven nadelförmigen Energieimpulse
sowohl in den sichtbaren als auch in den
ultravioletten Wellenlängen. Die Intensität dieser
Quecksilberdampfspektralausschläge variiert je nach
dem Leuchtstoffröhrentyp - kühlweiß, warmweiß etc.
Dies ist ein wesentlicher Nachteil, der gegen alle
Vorteile von Leuchtstofflampen abgewogen werden
muss."
Das einzige Kunstlicht, das die Bezeichnung
Vollspektrum verdient, ist die Glühlampe, da deren
spektrale Zusammensetzung wirklich alle Frequenzen
beinhaltet.
Dieser Beitrag von
Alexander Wunsch zum Thema Kunstlicht und Gesundheit
ist in der englischen Ausgabe des Professional
Lighting Design-Magazins Nummer 53 erschienen und
hier als PDF abrufbar:
Download "Artificial Lighting and
Health" from PLD 53
Hier können Sie die
Zusammenfassung der Posterpräsentation herunterladen,
die Alexander Wunsch im Rahmen
des 2. Expertensymposiums "Lighting and Health" der
Internationalen Beleuchtungskommission (CIE)
im September 2006 in Ottawa vorgestellt hat:
Download: "Human Light Response
Via Skin, Eye and Brain" (PDF)



